Die Neuen

MAZ vom 14. Dezember 2011

MAZ: Die Linken im Kreis haben zuletzt vor allem mit innerparteilichen Querelen von sich reden gemacht. Sind die Wogen mit Ihrer Wahl geglättet?

Anke Gerth: Es gab einige Turbulenzen. Wir wollen nun die inhaltliche Arbeit der Linken wieder sichtbar machen.

Turbulenzen? Der früheren Kreischef Michael Reimann sollte aus der Partei ausgeschlossen werden, Vorstandsmitglieder traten zurück – das sah eher nach einem ziemlichen Chaos aus.

Michael Wippold: Aber die Substanz der Partei war nicht beschädigt. Das waren Differenzen zwischen Personen, nicht so sehr in der Sache – wie so oft bei den Linken.

Mit Ihnen soll nun alles besser werden. Können Sie die innerparteilichen Grabenkämpfe beenden?

Wippold: Wir sind mit großer Mehrheit gewählt worden, das war schon mal ein wichtiges Zeichen. Der Vorstand ist kleiner geworden und fast komplett neu. Das ist eine gute Basis für einen Neustart.

Gerth: Grabenkämpfe oder Lagerbildung – das ist glaube ich bei uns nicht das Thema. Wir sind in der Kommunalpolitik, da geht es um die Sache. Um die gute linke Politik, die wir in den Kommunen machen, nicht zu gefährden, mussten wir den Neuanfang machen.

Was treibt Sie, sich auf das Abenteuer an der Spitze des Kreisverbandes einzulassen?

Gerth: Es ist sicher ein Stück Naivität dabei, aber wir wollen etwas bewegen. Wir sind durch und durch Linke, können ausgleichend wirken. Wir sind zwar noch nicht lange in der Partei, aber unser Herz schlägt links.

Zu Themen, die die Menschen im Kreis bewegen, hat man lange nichts von den Linken gehört. Flughafen Schönefeld, Soziales – was ist da künftig zu erwarten?

Wippold: Wir werden der Interessenvertreter der Menschen im Flughafenumfeld sein, etwa beim Lärmschutz und beim Nachtflugverbot. Es kommt noch ein anderes wichtiges Thema hinzu: Die sogenannte Jobmaschine Flughafen ist so angelegt, dass sie zunächst eine Billiglohnmaschine wird. Viele Leute können von dem Verdienst nicht leben. Wenn wir nicht aufpassen, wird Dahme-Spreewald ein Billiglohn-Eldorado. Das wollen wir verhindern.

Im Kreisvorstand gab es auch Forderungen, weiterhin Sperenberg als alternativen Flughafenstandort in Betracht zu ziehen. Bleibt es dabei?

Wippold: Es wäre blauäugig zu sagen, der Schönefelder Flughafen wird nicht eröffnet werden. Wir konzentrieren uns darauf, die Folgen des Flugbetriebes für die Menschen im Umfeld so erträglich wie möglich zu machen.

Gerth: Uns ist auch wichtig, dass unsere Landtagsabgeordneten Gerlinde Stobrawa und Stefan Ludwig in der Region wieder präsenter werden. Es wird regelmäßige Sprechstunden geben. Stefan Ludwig wird außerdem in Wildau sein drittes Bürgerbüro neben Lübben und Königs Wusterhausen eröffnen.

Was ist mit dem sozialen Profil der Linken?

Gerth: Das bleibt unverändert. Wir kümmern uns um soziale Brennpunkte und werden uns in den Kommunalvertretungen weiterhin für Freizeitangebote für Jugendliche oder Hilfen für Familien einsetzen. In Königs Wusterhausen und im Landkreis ist es leider so, dass derartige Vorschläge in der Regel zunächst abgelehnt werden, weil sie von uns kommen. Später bringen sie SPD und CDU dann als eigene Vorschläge durch.

Ärgert Sie das?

Gerth: Das nervt gelegentlich, aber wenn am Ende etwas Gutes rauskommt, haben wir unser Ziel ja trotzdem erreicht.

Wippold: Außerdem muss die Linke auch für Unternehmer da sein. Wenn eine Firma pleite geht, sind sie oft viel mehr betroffen als die Angestellten, die sozial abgesichert sind. Der Unternehmer kann hingegen schnell unter der Brücke landen.

Ist es das, was Sie unter „Öffnung der Partei“ verstehen?

Wippold: Es ist ein Element. Ich glaube, wir haben ein großes Potential in der Unternehmerschaft. Ich rede hier von den kleinen und mittleren Firmen, vom Handwerksmeister mit wenigen Angestellten. Wir wollen genauso offen sein für junge Leute, ebenso für Menschen, die sich in der Kommunalpolitik einbringen wollen.

Es gibt keine Denkverbote?

Gerth: Nein. Man muss in der Lage sein, sich zu streiten – wenn es um linke Interessen geht. Diskussionen halten wir schon aus. Ich bin in einer lebendigen Partei, da will ich das haben.

Der SPD-Fraktionschef im Stadtrat hat kürzlich in einem MAZ-Interview eine engere Zusammenarbeit mit den Linken ausgeschlossen. Fehlen Ihnen Bündnispartner, um Mehrheiten für linke Politik zu bekommen?

Gerth: Diese Aussage hat mich sehr überrascht. In der Stadt waren wir stets offen für Partner und sind das weiterhin. Das gilt auch für die SPD.

Wippold: Wir wollen mit denjenigen eng zusammenarbeiten, mit denen wir die meisten Schnittmengen haben. Und das ist nun mal die SPD.

Auch im Kreis, wo die Sozialdemokraten eine Koalition mit der CDU eingegangen sind?

Wippold: Auch dort. Wir haben den Eindruck, dass im Kreistag die Zeichen besser stehen als in der Stadtverordnetenversammlung von Königs Wusterhausen. Wir sind prinzipiell offen für ein Zusammengehen mit der SPD im Kreistag.